Blog | 06.10.2020

Kann die intelligente Automatisierung die Außenhandelsfinanzierung endlich digitalisieren?

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Wie überall im Geschäftsleben hat COVID-19 in der Handelsfinanzierung die Einführung digitaler Prozesse weltweit beschleunigt. Da viele Banken geschlossen waren und die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiteten, war der Austausch von physischen Dokumenten zu Handelsfinanzierungen nicht mehr so möglich wie zuvor.

Die Pandemie drohte ein seit Jahrtausenden erfolgreich arbeitendes System auszubremsen. Das Konzept der Handelsfinanzierung entstand, weil weltweite Transaktionen zwischen Käufern und Verkäufern mit einer Reihe von Risiken verbunden sind. Wie kann ich sicher sein, dass ich für Waren, die ich über mehrere Grenzen hinweg versende, bezahlt werde? Wie kann ich sicher sein, dass ich es mit einem seriösen Verkäufer zu tun habe?

Banken bürgen für Geschäfte und bieten unterstützende Dokumente wie Akkreditive. Sie bieten im Grunde eine kurzfristige Finanzierung, wobei die Produkte oder Dienstleistungen, die importiert/exportiert werden, als Sicherheiten dienen.

Handelsfinanzierungen sind ein großes Geschäft für Banken und beliefen sich 2018 weltweit auf rund 48 Mrd. USD. Das Wachstum digitaler grenzüberschreitender Zahlungssysteme und Online-Börsen hat jedoch Druck auf die Handelsfinanzierung ausgeübt, und das Volumen der von Banken verwalteten Handelsfinanzierungen war bereits vor der Pandemie rückläufig.

Der Wert des Vertrauens

Die jahrelange „Disziplin wiederholter Transaktionen“ zwischen Parteien macht es überflüssig, Banken für das Privileg der Handelsfinanzierung zu bezahlen, und sogenannte offene Konten, bei denen keine anderen Garantien bestehen als das gegenseitige Vertrauen, werden immer beliebter.

Während der Umfang des internationalen Handels auf bis zu 3 Bio. USD geschätzt wird, wurden seine Ineffizienzen durch den Ausbruch von COVID-19 deutlich sichtbar. Anders als viele andere Bankprozesse, insbesondere in der Privatkundenfinanzierung, basiert die Handelsfinanzierung auf unstrukturierten Daten und Dokumenten, die zwischen mehreren Parteien ausgetauscht werden.

Ein Geschäftsvorgang kann mehr als 30 Parteien und bis zu 100 Seiten an Dokumenten umfassen, von denen einige noch handschriftlich oder mit Anmerkungen versehen sein können. Banken, die das Risiko einer Handelsfinanzierung eingehen, müssen sicher sein, dass die Parteien sind, wer sie behaupten, und dass die Geschäfte legal abgeschlossen werden.

Papierdokumente müssen manuell überprüft und verifiziert werden, was zu erheblichen Verzögerungen und Ungenauigkeiten führt. Banken müssen aber auch sicherstellen, dass sie geltende Sanktionsbestimmungen strikt einhalten, um kriminelle Aktivitäten wie Terrorismus, Drogenhandel und Prostitution zu verhindern.

Sie müssen Personen oder Unternehmen ausschließen, die von Staaten und internationalen Organisationen auf Sanktionslisten gesetzt wurden, da diese wahrscheinlich gegen das Gesetz verstoßen und versuchen, durch kriminelle Aktivitäten Geld zu waschen.

Diese Listen werden regelmäßig veröffentlicht und aktualisiert, und Verstöße haben bereits zu Geldstrafen in Milliardenhöhe und zu Haftstrafen für Bankbeamte geführt. Angesichts des zu erwartenden Anstiegs der Geldwäsche, der zum Teil auf die Pandemie zurückzuführen ist, ist schnelles Handeln unumgänglich.

Veränderungsdruck

Unternehmen, die die Vorteile der Digitalisierung anderer Bankprozesse kennen, drängen ihre Finanzinstitute zunehmend dazu, die gleiche Effizienz in die Handelsfinanzierung zu bringen. In einer aktuellen Studie von ICC zur weltweiten Handelsfinanzierung gaben jedoch nur 13 % der Banken an, dass sie über ausgereifte digitale Prozesse verfügen.

Von der Digitalisierung würden sowohl die Banken als auch ihre Kunden profitieren. BCG schätzt, dass eine integrierte digitale Lösung, die intelligente Automatisierung, zusammenarbeitsorientierte Digitalisierung und zukünftige Technologielösungen umfasst, den weltweiten Handelsbanken durch betriebliche Effizienzsteigerungen Einsparungen zwischen 2,5 und 6,0 Mrd. USD bringen würde.

Hindernisse für die Einführung sind die fehlende Standardisierung der Dokumentation, regional unterschiedliche gesetzliche Vorschriften und knappe IT-Budgets. Doch obwohl es keinen Mangel an Technologien gibt, die für die Digitalisierung der Handelsfinanzierung eingesetzt werden könnten, wäre ein weltweiter „Urknall“-Ansatz für ein System mit so vielen dynamischen Komponenten mehr als schwierig.

Stattdessen wird es eine langsame und stetige Entwicklung hin zur vollständigen Digitalisierung geben, wobei Banken auf der ganzen Welt Konsortien bilden und in Handelsfinanzierungsnetzwerke investieren. Die Hoffnung in der Branche ist, dass Banken, die eine Vorreiterrolle einnehmen und Konzepte austesten, den Weg für eine Standardisierung und Regulierung in naher Zukunft ebnen werden.

Innovation in der Praxis

Ein solcher Pionier ist die Mashreq Bank, die von Gartner als eines der innovativsten Finanzinstitute in den VAE bezeichnet wird. Sie setzt die intelligente Automatisierung in der Handelsfinanzierung ein und hat in vier OCR-Engines (optische Zeichenerkennung) investiert, die Tausende von Dokumenten pro Tag verarbeiten und indizieren können.

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Die OCR-Engines sind dafür trainiert, Papierdokumente wie Frachtbriefe, Packlisten und Rechnungen zu digitalisieren, zu klassifizieren und in einem Übersichtsblatt zusammenzufassen, das an Kunden weitergegeben werden kann.

Mashreq nutzt die intelligente Automatisierung auch, um KYC- und Sanktionsprüfungen deutlich zu beschleunigen, so Shilpa Rodrigo, Head of Trade Services der Bank. „Der Umgang mit so vielen physischen Dokumenten erforderte früher sehr viel manuelle Arbeit. Heute bieten wir unseren Kunden kürzere Bearbeitungszeiten, genauere Daten- und Sanktionsprüfungen sowie schnellere Zahlungszyklen.“

Insgesamt konnte durch den Einsatz intelligenter Automatisierung die Produktivität der Bank um 60 % gesteigert, die automatische Extraktion von 500 Arten von Daten eingeführt, die Wartezeit der Kunden um 90 % verringert und die Bearbeitungszeit von 48 auf drei Stunden reduziert werden.

Wie Mashreq zeigt, ist es möglich, schon heute Maßnahmen zu ergreifen, um die Effizienz und Korrektheit der Handelsfinanzierung zu verbessern, ohne auf die perfekte Welt eines vollständig regulierten, weltweiten Frameworks zu warten. Auch wenn es heute noch kein vollständig digitalisiertes internationales Handelsfinanzierungssystem gibt, so kommt es durch die intelligente Automatisierung doch ein Stück näher.

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